Studium abbrechen – soll ich?

Es ist soweit – der Oktober ist da und die Universitäten öffnen wieder ihre Türen. Studienanfänger sind aufgeregt und überall liest und hört man Tipps, wie man am besten das erste Semester bewältigt. Manchmal helfen aber alle gut gemeinten Ratschläge nicht weiter und man möchte aufhören zu studieren! Aber soll man wirklich seinen ganzen Mut zusammennehmen und diesen Schritt wagen?

 

Meine Story

„Während des Studiums hatte ich die tollste Zeit meines Lebens!“
Dieses Zitat trifft voll und ganz auf mich zu – NICHT!
Aber zurück zum Anfang: Ich lebe in Österreich und habe eine Handelsakademie abgeschlossen. Für alle die sich mit unserem Schulsystem nicht auskennen: Das ist eine 5-jährige Schule, welche man mit der Matura (oder Abitur) und einer beruflichen Ausbildung zur Bürokauffrau abschließt.
In Österreich ist es normalerweise so, dass man sich anschließend einen Job sucht, oder ein Studium beginnt. Dass man nach der Matura eine Lehre (also eine Ausbildung als Azubi) beginnt, ist nicht üblich.
Eine Lehre beginnt hier eigentlich nach der neunten Schulstufe, wenn man einen Beruf lernen möchte, für den man eine Ausbildung machen muss, man keine Lust mehr hat eine weiterführende Schule zu besuchen oder die Noten nicht gut genug sind um die Matura zu absolvieren.
Ich habe mir in der Schule immer relativ leicht getan und meine Matura mit einem Schnitt von 1,5 bestanden – danach fühlte ich mich wie die Königin der Welt!
Meine Entscheidung stand fest: Ich wollte nun Deutsch und Geschichte auf Lehramt studieren um Lehrerin zu werden! Stolz wie ich war, wusste bald jeder in meinem näheren Umfeld, dass ich dieses Studium anstrebte. Dann begann die Uni. Und traf mich mit voller Härte.
Schon der erste Tag war ein Desaster! Keiner, der mit mir gemeinsam studierte den ich kannte, niemand der mir erklärte wie das ganze System funktioniert und Vorlesungen die sich überschneiden, bei denen man aber überall anwesend sein sollst!
Zudem sitzen an jeder Ecke Studenten, die anscheinend bereits das komplette Skriptum auswendig kennen und über ihr gerade erworbenes Wissen fachsimpeln.
„Das wird schon besser, du musst dich eingewöhnen!“
Diesen Satz habe ich oft in den Anfängen meines Studiums gehört, aber kleines Preview: Ich hab mich nie eingewöhnt.
Der Lehrstoff war einfach uninteressant, es war unübersichtlich was die Prüfung mit sich bringen würde und ich war überfordert mir meine Lehrveranstaltungen und Lernzeiten einzuteilen.
Zudem arbeitete ich noch 10 Stunden die Woche, was sich ab und an mit wichtigen Terminen überschnitt.
Wie sollte es anders sein: Ich begann Vorlesungen zu schwänzen mit dem Vorsatz, mir das Verpasste selbst beizubringen (zudem ist es egal ob man Vorlesungen schwänzt – es sitzen ohnehin 150 Personen in einem Raum – einer mehr oder weniger fällt da nicht auf.).
Kurz gesagt, die Uni war absolut nichts für mich. Mir ging es mit dem Studium einfach nicht gut!
So tümpelte ich fast ein halbes Jahr vor mich hin, bis ich irgendwann zu gar keinen Lehrveranstaltungen mehr ging und die ECTS-Punkte die für das erste Jahr empfohlen waren nicht annähernd erreichte.
Ich wusste, ich musste etwas tun – aber was? Ein anderes Studium beginnen? Mir einen Job suchen?
Dann begann ich mir Gedanken zu machen, was mir Spaß macht – in der Schule mochte ich das Fach Marketing. Ich wollte irgendetwas Kreatives machen!
Doch ohne eine passende Ausbildung bekommt man in diesem Bereich kaum eine Stelle. Dann fasste ich den Entschluss: Ich beginne eine Lehre in diesem Bereich!
Klar wird man Anfangs etwas schief angeguckt, wenn man das Studium abbricht und stattdessen einen Lehrberuf beginnt – wie gesagt, in Österreich ist das nicht üblich.
Für mich war das aber die beste Entscheidung, die ich hätte treffen können! Ich fand eine Ausbildung zur Medienfachfrau, in der ich im Moment mittendrin stecke.
Ich liebe was ich lerne, es macht mir Spaß in die Arbeit zu gehen und ich weiß genau, dass ich auch später in diesem Bereich arbeiten möchte!

Meine Tipps

Dir geht es ähnlich wie mir damals und der Gedanke das Studium abzubrechen beschäftigt dich? Dann helfen diese Tipps vielleicht weiter:

  1. Mach dir keinen Kopf, was andere Personen darüber denken! Dass einige verwundert sein werden, dass du dein Studium abbrichst ist klar – dann wird aber auch bloß einmal gefragt und dann ist das Thema gegessen.
  2. Du hast Angst, deine Zeit verschwendet zu haben? Naja, besser du bemerkst spät als nie, dass die Uni nichts für dich ist – lieber ein bisschen Zeit verschwenden als ewig zu studieren und doch irgendwann damit aufzuhören!
  3. Was soll man stattdessen machen? Du hast noch keine Ahnung? Dann denk darüber nach, was dir in der Schule Spaß gemacht hat oder was du in deiner Freizeit gerne magst. Überlege, ob es einen Beruf in diesem Bereich gibt und informiere dich, wie du zu solch einem Job kommst!
  4. Handle nicht überstürzt! Denn der Satz „Du gewöhnst dich schon ein“ ist nicht ganz unwahr. Gib dir Zeit über deine Entscheidung nachzudenken und höre auf dein Bauchgefühl.
  5. Studieren kann man auch später noch! Du willst lieber ein paar Jahre arbeiten oder eine Ausbildung machen? Kein Problem – schnuppere doch ein bisschen in die Arbeitswelt hinein und überlege, dein Studium zu einem späteren Zeitpunkt fortzusetzen!
Du beginnst gerade mit der Uni und dieser Beitrag hat dich erschrocken? Dann kann ich dich beruhigen: Es gibt wirklich Menschen, für die die Zeit während ihres Studiums die schönste ihres Lebens ist!
Egal was letztendlich deine Entscheidung ist: Studieren ist toll, aber nicht studieren ist auch toll! Wichtig ist, dass du glücklich bist, bei dem was du machst.

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